Bericht und Fotos von Klaus Oberkandler

Ein zentrales Thema in der Jahresversammlung des Südostbayerischen Verbandes der Obst- und Kleinbrenner im Trachtenheim in Irschenberg war der „Bayerische Streuobstpakt“. Ehrgeiziges Ziel von Staatsregierung, Landwirtschaftsministerium und den beteiligten Verbänden und Organisationen ist es, bis 2035 im Freistaat eine Million neue Hochstamm-Obstbäume zu pflanzen. Dafür sowie für die Pflege und den Erhalt der rund 5,5 Millionen Bäume auf Streuobstwiesen im Freistaat sollen bis dahin rund 670 Millionen Euro staatliche Fördermittel eingesetzt werden. Etwa die Hälfte des Obstes, das von diesen Bäumen geerntet wird, könnten die Bayerischen Obstbrenner zu edlen Destillaten verarbeiten, so die Hoffnung von Martin Degenbeck von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Er informierte die Brenner über wesentliche Aspekte des Streuobstpaktes, der auch den Brennern Zugriff auf noch mehr heimische Rohstoffe verheißt.

Die Begeisterung der Brenner für das Projekt hielt sich in Grenzen. In mehreren Wortmeldung wurde das Vorhaben heftig kritisiert. Die Rede war von einem „Bürokratiemonster“, das hier auf den Weg gebracht werde und viele Millionen Euro Steuergelder verschlingt. Einig war man sich zwar, dass der Verlust von bayernweit rund 100 000 Streuobstbäumen jährlich sehr bedauerlich sei. Das Ziel, die gleiche Zahl neu zu pflanzen, sei aber allein schon deshalb schwer zu erreichen, weil die regionalen Baumschulen nur mit Müh und Not diese Zahl von Bäumen heranziehen können.

Der Staat fördert nicht nur die Pflanzung, sondern auch die Pflege der Bäume. „Es entsteht ein riesiger Markt für Dienstleister“ , frohlockte Degenbeck. Die Besitzerin einer Streuobstwiese in Bad Feilnbach kritisierte, dass nur Zuschüsse für die Pflege bekommt, wer speziell ausgebildete Baumpfleger engagiert. „Wir pflegen unsere Bäume schon seit Jahrzehnten fachgerecht. Unsere Arbeit wird aber nicht gefördert“, lautete ihr Kritikpunkt. Der ehemalige Fachberater für Gartenbau und Landespflege beim Landratsamt Rosenheim, Josef Stein, wies darauf hin, dass man seit Jahrzehnten Baumschnittkurse angeboten und Baumwarte ausgebildet habe. Warum sollten die nicht ebenfalls mit staatlichem Fördergeld diese Arbeit verrichten?, fragte er.
Viel zu viel Geld werde für Organisation und Verwaltung ausgegeben, hieß es weiter. 31 Streuobstmanager kümmern sich um das Projekt; 16 bei den Landratsämtern, 15 bei den Bezirksregierungen. Auch das stieß auf Kritik bei den Brennern, Degenbeck betonte, man stelle das Projekt bei Gelegenheiten wie dieser Brennerversammlung vor unter anderem mit dem Ziel, Verbesserungsvorschläge zu bekommen. Brenner Georg Noppinger aus Teisendorf fasste es in der Diskussion drastisch zusammen: „Wir haben mehr G’schiss als Nutzen.“
Das Thema Streuobstwiesen ist aber nicht das einzige, das die Brenner bewegt. Sie wollen, dass die Menge Alkohol, die Kleinbrenner in Deutschland jährlich erzeugen dürfen, deutlich angehoben wird. Sie liegt derzeit bei 300 Liter reinen Alkohols – zu wenig um einen Betrieb im Hauptbetrieb zu führen. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Klein- und Obstbrenner, MdB Gerald Erdrich, machte bei der Versammlung am Irschenberg klar, dass in dieser Frage vorerst „gar nichts passiert“. Das Thema sei auf das kommende Jahr verschoben worden – weil da Bundestagswahlen anstehen? Dennoch habe man eine Initiative im Bundesrat gestartet und bereits einige Befürworter für eine Erhöhung des Brennkontingentes gewinnen können. In den nächsten Jahren werde auch eine Verordnung der Europäischen Union kommen, Zutaten und Nährwert der Brände anzugeben. Der Vorsitzende des Südostbayerischen Brennerverbandes, Kajetan Schnitzer aus Traunstein, fasste zusammen: „Da kommen einige Herausforderungsgen auf uns zu“.

Er hatte in seinem Rechnenschaftsbericht erfreut festgestellt, dass die Mitgliederzahl dank 13 Neuaufnahmen wieder auf über 600 gestiegen sei. Er informierte darüber, dass Mitglieder von Vorstandschaft und Geschäftsführung an einigen Veranstaltungen teilgenommen haben; zum Beispiel an der Sitzung des Bundesverbandes in Karlsruhe, an der Urkundenübergabe zum Abschluss der Brennerausbildung in Deutenkofen, und an einem Strategieseminar in München. Ein Treffen mit Vertretern des Fränkischen und des Lindauer Brennerverbandes hatte zum Ziel, das Wir-Gefühl zu stärken und nach einer gemeinsamen Zukunft zu suchen.
Geschäftsführerin Andrea Westenthanner aus Burgkirchen im Landkreis Altötting informierte unter anderem über das umfangreiche Kursprogramm, an dem 147 Personen teilgenommen haben. Im vergangenen Jahr habe man zwölf Kurse rund um das Thema Brennen abgehalten und werde dieses bewährte Programm auch heuer anbieten. Der Brennerausflug führt heuer vom 7. bis 9. Juni an den Bodensee und in den Bregenzer Wald. Westenthanner wies auch auf die Brennerstammtische hin, von denen sich vor allem der in Traunstein dank seiner Themenvielfalt sehr großer Beliebtheit erfreut. Ein Teilnehmer komme regelmäßig aus Franken zu den Treffen im Gasthaus zur Post in Kammer. Das nächste Mal am 15. Februar geht es um junge und frische Destillate.
Kassier Christian Stocker aus Großkarolinenfeld im Landkreis Rosenheim informierte über Ausgaben und Einnahmen des Verbandes im vergangenen Jahr. Unter anderem habe man Gläser gekauft, die man an die Mitglieder weiterverkaufen werde. Die Ausgaben dafür entsprechen in etwa dem Defizit von rund 13 000 Euro, das man für das vergangene Jahr ausweisen musste. Größte Ausgabeposten waren die Lohn- und Lohnnebenkosten für die Geschäftsführung sowie die Ausgaben für die Lehrgänge. Letztere seien durch die Kursgebühren wieder hereingekommen. Größter Einnahmeposten mit 38 000 Euro waren die Mitgliedsbeiträge.

Die Teilnehmer des Treffens konnten einen weiteren optimistischen Eindruck mit nach Hause nehmen: Bundesgeschäftsführer Gerald Erdrich hatte berichtet, dass der Verkauf von Obstbränden im Lebensmittelhandel seit Jahren zweistellig sinke. Der Absatz der Direktvermarkter steige aber kontinuierlich. Da der überwiegende Teil der Mitglieder des Verbandes seine Produkte selbst vermarktet, kann man also beruhigt in die Zukunft blicken.