Brennerversammlung 2.2.26 – Bericht von Klaus Oberkandler
Irschenberg. Einen Vorstandswechsel gab es beim mehr als 600 Mitglieder zählenden Südostbayerischen Verband der Obst- und Kleinbrenner: Wolfgang Hillreiner aus Adelshofen im Landkreis Fürstenfeldbruck wurde in der Jahreshauptversammlung im Trachtenheim in Irschenberg einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er löst Kajetan Schnitzer ab, der den Verband die letzten vier Jahre geleitet hatte. Aus beruflichen und privaten Gründen, so erklärte Schnitzer, sei es ihm nicht mehr möglich, die zeitraubende Aufgabe des Verbandsvorsitzes optimal zu erfüllen.2. Vorsitzender wurde Simon Eder aus Irschenberg, der den frei gewordenen Stellvertreterposten Hillreiners einnimmt. Damit führt Eder eine lange Familientradition fort, denn schon sein Vater und sein Großvater hatten in früheren Jahren den Verband geführt. Ebenso einstimmig wie Hillreiner und Eder gewählt wurden, bestätigten die Mitglieder auch Christian Stocker aus Großkarolinenfeld im Landkreis Rosenheim als Kassier.
Neben den Neuwahlen war die Änderung der Verbandssatzung ein zentrales Thema. Sie wurde bei nur drei Gegenstimmen beschlossen. Einstimmig waren die Mitglieder dafür, ab sofort die Wahlperiode von vier auf zwei Jahre zu verkürzen. Überdies wurde eine Beitragsordnung eingeführt um Änderungen der Verbandsbeiträge vornehmen zu können, ohne deshalb die Satzung ändern zu müssen. So wurde es auch möglich, durch mehrheitlichen Beschluss den jährlichen Verbandsbeitrag von 65 auf 75 Euro zu erhöhen. Ziel ist es, einen finanziellen Puffer zu schaffen und den Verband langfristig solide und handlungsfähig aufzustellen. Die Erhöhung war nötig, weil die Jahresbilanz deutlich negativ war. Nach einem kleinen Defizit 2024 stieg der Fehlbetrag im vergangenen Jahr auf über 11 000 Euro, wie Kassier Christian Stocker informierte.
Das hohe Defizit hatte mehrere Ursachen: Zum einen kam es zu buchhalterischen Verschiebungen in Höhe von rund 6000 Euro, da Ausgaben aus dem Jahr 2024 sowie bereits geleistete Anzahlungen für 2026 im Kassenjahr 2025 verbucht wurden. Die Ausgaben sind zwar gegenüber dem Vorjahr um rund 10 000 auf 57 000 Euro gesunken.
Die Einnahmen sind allerdings auf knapp 46 000 Euro geschrumpft. Größte Ausgabeposten waren mit gut 24 000 Euro die Lohn- und Lohnnebenkosten für die Geschäftsführung sowie die Kurskosten mit 12 600 Euro. Der Kontostand zum Jahreswechsel lag bei gut 12 000 Euro.
Dennoch sieht der Verband die Weiterbildung der Mitglieder als eine seiner zentralen Aufgaben an, betonten sowohl der scheidende Vorsitzende Kajetan Schnitzer als auch sein Nachfolger Wolfgang Hillreiner und Geschäftsführerin Andrea Westenthanner aus Burgkirchen. Von den elf im vergangenen Jahr angebotenen Kursen wurden sechs abgehalten. 100 Mitglieder beteiligten sich daran. „Renner“ waren, wie schon in den vergangenen Jahren, die Brennerkurse beim ehemaligen Vorsitzenden Andreas Franzl. Immer wieder nehmen auch etliche Branchenfremde daran teil. Guten Anklang fanden auch die Kurse „Vom Korn zum Whisky“ beim neuen Vorsitzenden Wolfgang Hillreiner, der Praxiskurs zum Thema einmaischen, und eine Fortbildungsveranstaltung unter dem Motto „Hydrolate selbst herstellen.“ Gerade das Thema Hydrolate zeigt, dass das Destillieren weit über die Gewinnung von Alkohol hinausgehen kann. Hydrolate sind Wässer aus Pflanzen, Kräutern oder Blüten, die bei der Destillation unter Wasserdampf als
Nebenprodukte bei der Gewinnung ätherischer Öle anfallen.
Dass die Arbeit des Südostbayerischen Verbandes der Obst- und Kleinbrenner bei Politik und Behörden auf großes Interesse stößt, zeigte die illustre Gästeliste. Grußworte sprachen der Bürgermeister der Gemeinde Irschenberg, Klaus Meixner, und der Präsident des Bundesverbands der Klein- und Obstbrenner Alois Gerig. Das Hauptreferat, in dem es um verbandspolitische Themen sowie unter anderem um Steuer- und Zuschussfragen ging, hielt die Geschäftsführerin des Kleinbrenner-Bundesverbandes, Silke Eckert-Lion. Weitere Gäste waren neben anderen der Fachberater für Brennereiwesen an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim, Matthias Krönert, der Präsident des Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, Wolfram Vaitl, sowie die
Landtagsabgeordneten Sebastian Friesinger (CSU) und Andreas Winhardt (AfD).
Bemerkenswert im Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden war der Hinweis auf den konstanten Mitgliederstand. Aktuell sind es 606 Mitglieder. Diese Zahl ist seit Jahren stabil, während viele andere Landesverbände im Bundesgebiet zum Teil einen sehr deutlichen Rückgang der Mitgliederzahl hinnehmen müssen. Schnitzer berichtete außerdem über etliche Termine auf Landes- und Bundesebene, darunter die Bundesmitgliederversammlung in Karlsruhe sowie eine dreitägige Klausurtagung des Bundesverbands in Prien. Ein zentrales Thema für die Brenner ist die geplante vollständige Digitalisierung der Brennanmeldungen die am 1. Januar 2027 in kraft treten wird. In Zusammenarbeit mit der Generalzolldirektion wird hierfür eine digitale Lösung vorbereitet. Der Verband werde
hierzu Online-Schulungen anbieten. Abschließend wurde auf die am 22. Februar endende Anmeldefrist für die Bayerischen Obstbrandprämierung hingewiesen. Die Prämierung gilt als eine der hochwertigsten Spirituosenbewertungen in Deutschland.
