Generalversammlung am Irschenberg

Bericht und Foto von Klaus Oberkandler

Gegen Bevormundung und schleichende Enteignung

Brenner in Südostbayern kritisieren Vorgaben für Streuobstwiesen

Irschenberg. Die Umsetzung des Volksbegehrens hinsichtlich der Bewirtschaftung und Streuobstwiesen war ein zentrales Thema in der Jahreshauptversammlung des Verbandes der Südostbayerischen Obst- und Kleinbrenner. Im Trachtenheim in Irschenberg bewegte die rund 200 anwesenden Brenner daneben die Ankündigung des Vorsitzenden Andreas Franzl, im kommenden Jahr nicht mehr für dieses Amt kandidieren zu wollen. Die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner (Rosenheim Ost) und Klaus Steiner (Traunstein) appellierten, er solle diesen Entschluss noch einmal überdenken, denn Franzl habe enorm viel für das Brennerwesen getan und werden noch „dringend gebraucht“, wie es Stöttner formulierete.

Schon zuvor hatte es einigen Diskussionsbedarf gegeben, als es um das Thema Streuobstwiesen ging. Vorsitzender Franzl berichtete, dass man bei allen Fragen zu diesem Thema auf das Umweltministerium angewiesen sein werde. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), der als Hauptredner vorgesehen war, habe dem knapp 600 Mitglieder zählenden Verband jedoch „sehr kurzfristig“ eine Absage erteilt. Dass einige Bauern angesichts der geplanten Reglementierungen ihre Streuobstwiesen aus Protest gerodet haben, sei zwar etwas übertrieben; für trotzige Reaktionen könne man aber durchaus Verständnis aufbringen, meinte Franzl. Bauernfamilien, die über Generationen diese blühenden und früchtebringenden Biotope geschaffen und gepflegt haben, sollen durch die vorgesehene Gesetzgebung bevormundet und ihr Vorgehen reglementiert werden.

Die traditionelle Bewirtschaftung erhalten

Diese Reglementierungen so zu gestalten, dass die Landwirte möglich viele Rechte für eine traditionelle Bewirtschaftung behalten, macht sich auch die Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zur Aufgabe. Deren Präsident Jakob Opperer, der in der Rosenheimer Gegend daheim ist, gab einen Überblick über die Ziele, die im Rahmen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ formuliert wurden und nun in Gesetzesform gebracht werden sollen. Opperer erinnerte daran, bereits vor 14 Jahren bei den Südostbayerischen Brennern über dieses Thema gesprochen zu haben. In seinen Vortrag ließ er Aussagen von damals einfließen, die auch heute noch Gültigkeit haben.

In Bayern gebe es etwa 6 Millionen Bäume auf Streuobstwiesen. Gehe man von einem durchschnittlichen Lebensalter von 40 Jahren aus, müsste man jährlich rund 150000 Bäume „aus der Produktion nehmen“, also roden, weil sie überaltert sind.  Annähernd die gleiche Zahl von Bäumen dürfte jährlich verschwinden, weil sie am Rand von Dörfern stehen und der Grund anderweitig benötigt wird. Opperer appellierte, nicht allein das Umweltministerium dürfe die Kriterien für die Unterschutzstellung der Streuobstwiesen festlegen. Derzeit werde über die Definition der schutzwürdigen Bereiche verhandelt. Da werde zum Beispiel darüber gefeilscht, ob der Kronenansatz in 1,60 oder in 1,80 Meter Stammhöhe als Kriterium für einen Hochstammbaum herangezogen wird. Ferner geht es um die Mindestdicke von Stämmen und um den Abstand von Baum zu Baum.

Das Landesamt für Landwirtschaft nimmt eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen Politik und Praxis ein. Während und nach der Versammlung machten einige Landwirte ihrem Unmut über die „Entmündigung und Enteignung“ Luft. Wenn schon Vorschriften hinsichtlich der Bewirtschaftung, dann auch ein kostendeckender finanzieller Ausgleich für jene, welche die zeitaufwändige Pflegearbeit verrichten, lautete der Tenor.

Zahl der Verbandsmitglieder steigt wieder

Vorsitzender Andreas Franzl informierte in seinem Rechenschaftsbericht über eine erfreuliche Entwicklung des Verbandes. 22 Mitglieder seien neu dazu gekommen – aus allen Schichten, wie er betonte. Sie würden frischen Wind bringen, erwarten aber auch Leistungen. Das umfangreiche Angebot des Südostbayerischen Brennerverbandes habe sich herumgesprochen: Die neuen Mitglieder sind aus Sachsen, aus Franken und vermehrt aus Niederbayern und der Oberpfalz. Dass er nicht mehr kandidieren wolle, so Franzl, liege nicht am eigenen Verband, sondern an der Zielsetzung und mangelnden Orientierung hin zu einer zukunftsträchtigen Ausrichtung für die Brenner.

Auch bei dem Bestreben, die Brennrechte von 300 auf 500 Liter auszuweiten, finde er keinerlei Unterstützung bei den anderen Verbänden. Es gehe dabei um Betriebe, die gut brennen und ihre Produkte vermarkten wollen. Die 300 Liter gelten seit 100 Jahren. Damals hatte ein Bauer mit 5 Kühen und 30 Schweinen ein gutes Auskommen; heute brauche er ein Vielfaches der Tiere, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das sei auch auf die Brenner übertragbar. „Die rückwärtsgewandte Sichtweise kann und will ich nicht vertreten“, sagte Franzl unter dem Beifall der Besucher.

Geschäftsführerin Andrea Westenthanner erinnerte in ihrem Jahresrückblick an die neun Kurse, die man angeboten habe. Außerdem habe der Verband an mehreren Veranstaltungen teilgenommen und die Brenner bei Messen und Märkten repräsentiert. Auch heuer werde man neun Kurse anbieten und wieder eine Lehrfahrt organisieren. Sie führt vom 12. bis 14. Juni an den Bodensee und in den Bregenzerwald. Tiefrote Zahlen wies der Kassenbericht von Christian Stocker aus. Das lag in erster Linie an einigen Sondereffekten wie zum Beispiel Zahlungen und Überträgen aus dem Jahr davor. Außerdem stünde die Vorsteuermeldung noch aus, die einen hohen dreistelligen Betrag darstellen dürfte. Ohne diese sei es „eine ziemliche Nullrunde“ gewesen, beruhigte Andreas Franzl angesichts des ausgewiesenen Minusbetrages von über 10000 Euro.

Großes Interesse an der Prämierung

Über die bevorstehende Bayerische Obstbrandprämierung informierte der Fachberater für Brennereiwesen an der Landesanstalt für Wein-und Gartenbau in Veitshöchheim, Mathias Krönert. Es hätten sich bereits 50 neue Brenner angemeldet, die bisher nicht an dem Qualitätswettbewerb teilgenommen haben. Er gehe davon aus, dass mehr Proben eingereicht werden als zuletzt. Mit Blick auf die Prämierung lobte Krönert die Rolle des Südostbayerischen Verbandes, der hier immer Vorreiter und innovativ gewesen sei: „Hier im Südostbayerischen Verband entsteht viel Gutes“. Deshalb bedauere er, dass der Vorsitzende das Handtuch werfe, wiewohl er diese Entscheidung verstehen könne.

Auf großes Interesse der Brenner stieß auch Krönerts Kurzvortrag über die Neukonzeption einer Destillatflasche für Bayerische Edelbrände. Der Fachberater erläuterte, wie man bei diesem Projekt vorgegangen sei und wie vieler Schritte es bedurfte, um ein befriedigendes Ergebnis zu erreichen. Er stellte einen Prototyp vor, der bei den Brennern zu gefallen wusste. Schräg nach oben laufende Linien auf der einen und nach unten laufende Linien auf der anderen Seite der rechteckigen länglichen Flasche ergeben beim ein Rautenmuster, wenn man durch die Flasche schaut.

Neben den beiden Landtagsabgeordneten nahm auch der Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak an der Versammlung teil. Die Abgeordneten versicherten, die Besitzer von Streuobstwiesen unterstützen zu wollen. Klaus Steiner sagte, mit der Unterschutzstellung der Streuobstwiesen in der vorgesehenen Art wolle „man uns schützen vor denen, die die Wiesen schützen.“  Klaus Stöttner ergänzte, Eigentum werde mit so vielen Auflagen und Vorschriften behaftet, dass es kein Eigentum mehr ist. Man müsse Eigentum schützen und dessen Wertigkeit erhalten. „Das verteidigen wir im Agrarausschuss des Landtages“, versicherte Steiner.

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