Urkundenübergabe Bayern Brand 2020

Die drei Bayerischen Brennerverbände in Franken, Lindau und Südostbayern organisierten heuer wieder eine Bayern Brand Prämierung mit großer Unterstützung durch die LWG Veitshöchheim und dem bayerischen Staatministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Der Corona-Lockdown hat auch diese nicht verschont und es mussten unsere zweite und es musste nicht nur die Sensorikprüfung verschoben, sondern auch die, für Mitte Mai, geplante Prämierungsfeier abgesagt werden. Aufgrund der Corona-Situation gestaltet sich eine Planung grundsätzlich sehr schwierig, weshalb es in diesem Jahr keine gemeinsame große Prämierungsfeier geben wird. Jeder Verband ehrt deshalb „seine“ Teilnehmer in einer separaten Feier.
Die feierliche Urkundenübergabe zur Bayern Brand Prämierung 2020 des Südostbayerischen Brennerverbandes fand am 9. Oktober 2020 in Sauerlach statt.
(Pressebericht und Fotos von Uli Kaiser)

„Insgesamt wurden 610 Proben eingereicht. 252 kamen aus Südostbayern. Sie teilten sich auf 66 Betriebe auf. Bayernweit meldeten sich 149 Unternehmen an.  Die Qualität der Produkte war wieder sehr gut. Unser Verband erreichte 79 von 200 Goldmedaillen. Dazu kamen noch 126 von 271 Silbermedaillen“, freute Vorsitzender Andreas Franzl.

Bayerns Obst- und Kleinbrenner konzentrieren sich auf höchste Qualität. Die feinsinnige Nase des Genießers nimmt die aromatische Vielfalt der verarbeiteten Früchte auf. Der runde Geschmack ölt Gaumen und Kehle, wird aber zu keiner Zeit von der Schärfe des Alkohols gestört. Jeder kennt die Freude, die einem ein gutes Stamperl Schnaps bereitet und die Nachhaltigkeit des Duftes, der die Nase meist noch länger beglückt. „Die Mitglieder unseres Verbandes legen größten Wert auf eine sehr gute Qualität. Deshalb sind unsere Prämierungen zugleich ein Zeugnis der guten Arbeit und ein wertvolles Siegel, an dem sich die Kunden orientieren können“, sagt Andrea Westenthanner, die Geschäftsführerin des Südostbayerischen Obst- und Kleinbrennerverbandes.

Hinter einem guten Stamperl „Schnaps“ verbirgt sich viel Arbeit. Die Brenner sind, auch ohne Gesetze, Naturschützer aus Leidenschaft. „Wir bewirtschaften Streuobstwiesen. Deren Pflege ist unser oberstes Gut. Denn nur auf diese Weise, erreichen wir beste Qualität“, findet Verbandsvorsitzender Andreas Franzl. Diese Wiese bringen jedem Besucher die artenreiche Natur näher. Tiere und Insekten genießen ihr Leben, weil sie alles finden, was sie dazu brauchen. Die Menschen können sich an solchen Orten auf besondere Weise mit der Natur verbinden. Die Streuobstwiese ist ein kleines Paradies für alle, die in irgendeiner Form etwas damit zu tun haben. Die Obstbauern nehmen die Besucher ihres Hofes auch gerne auf eine Entdeckungsreise mit. „Ich selbst mache gerne Führungen. Meine Kollegen und ich erfreuen sich an ganz alten Obstsorten. Diese sind oftmals auch sehr resistent“, erzählt Andrea Westenthanner.

Alte Obstsorten gedeihen vor allem an den Orten gut, die für sie beste Voraussetzungen bieten. Die Böden und das Klima sind manchmal nicht nur regional, sondern lokal unterschiedlich. Sonne, Niederschlag und die Nährstoffe des Untergrundes sind die Gewürze, die ein Koch für ein gutes Gericht braucht. „Damit wir ein gute Früchte ernten können, benötigen wir auch Zeit. Bis die Bäume erstmals abgeerntet werden können, dauert mindestens fünf bis sieben Jahre“, unterstreicht Andreas Franzl. Bis eine Frucht zum Brennen genutzt werden kann, geht sie zweimal durch die Hand des Obstbauern. Nur gesunde Früchte dienen als Basis der Edelbrände. Der Kenner entdeckt jede noch so kleine Ungereimtheit im „Schnapserl“.

Um die vollen Geschmack und die optimale Alkoholausbeute zu erreichen, wandern die Früchte noch um Nachreifen. Dadurch verlieren sie Flüssigkeit und erhöhen ihren Zuckergehalt. Zucker ist gleichbedeutend mit dem Salz des Brennerlebens. Das oberste Credo aller Obst- und Kleinbrenner aber lautet: „Wir setzen keinen Zucker zu, um mehr Alkohol zu erhalten.“ Durch die Herstellung der Maische wird die Gärung. Dieser Vorgang wird streng kontrolliert. Erst aber eine gewissen Stufe, kann das vergorene Produkt zur Destillation freigegeben werden.

Alleine dieser Vorgang dauert rund drei Stunden. Nur das Mitteldestillat wird zur Weiterverarbeitung genutzt. Auf diese Weise bleiben in etwa 50% des auf diese Weise gewonnen hochprozentigen Alkohols übrig. „Man kann sagen, dass aus einer Tonne Ernte ungefähr 36 Liter Alkohol gewonnen werden“, fasst Andrea Westenthanner zusammen. Das hochprozentige Produkt wird dann verdünnt, sodass am Ende ein verkaufsfähiger Edelbrand mit dem Alkoholgehalt von zirka 40% entsteht. Analog zum Wein oder zum Käse muss dieses naturreine Meisterwerk noch in einem Fass lagern. Der Reifeprozess vereinigt alle Bestandteile dieser kraftvoll-aromatischen Essenz zum einem in sich stimmigen und damit runden Endprodukt. Das Fass gibt je nach Holzsorte, Verarbeitung und vorheriger Verwendung (z.B. als Whiskeyfass) noch seine ganz spezielle Note hinzu. Da das Fass auch weiß, was gut ist, schluckt es während der Lagerung schon mal 20 Prozent des Inhaltes. „Grundsätzlich kann man sagen, dass der Edelbrand besser wird, je länger er lagert“, klärt Andreas Franzl auf. Doch leider erhalten die Brenner aus Leidenschaft nicht die nötige Vergütung, die für eine solche Zeit Sinn machen würde.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: